lake-11072 640Es war Frühling, die Pfingstferien hatten begonnen. Unsere Verwandten kamen und wir feierten zusammen das Pfingstfest und natürlich die „ Pingstebrut", wobei mein Cousin und meine Cousinen auch mitmachen durften.

Für die folgende Woche hatten mein Bruder und zwei Klassenkameraden sich vorgenommen, zu einem weiter entfernt gelegenen Bauernhof zu gehen, um sich mit den Kindern dort zu treffen und zu spielen. Er bat uns Mädchen mit zu kommen, weil er so leichter die Erlaubnis meiner Mutter bekam.

Wir waren für kleine Abenteuer immer zu haben und da es auf dem Hof auch Mädchen in unserem Alter gab, willigten wir ein.

Meine Mutter gab uns die Erlaubnis unter der Bedingung, dass wir versprachen, nicht ans Wasser zu gehen und schon gar nicht hinein. Auf dem Hof gab es nämlich einen großen Teich.

Sie gab uns noch die Ermahnung, nicht zu spät nach Hause zu kommen. Wir versprachen alles hoch und heilig.

So zogen wir also los, durch Felder, Wald und Wiesen. Es war ein ganz schönes Stück zu laufen. Als wir ankamen empfing uns mit lautem Gebell ein großer Hund, der aber zum Glück angekettet war. Die Kinder begrüßten uns wegen der willkommenen Abwechslung freudig, denn sie hatten weit und breit kaum Spielgefährten.

Wir vergnügten uns zuerst auf dem Hof, im Stall und in der Scheune und spielten fangen und verstecken.

Wir sollten ja nicht, aber dann hatte der Teich doch eine magische Anziehungskraft. Wir ließen Holzstücke als Schiffchen schwimmen und fingen Kaulquappen in einer Konservendose. Dann fiel den Jungen ein, doch einmal ins Wasser zu gehen. Wir warnten meinen Bruder, aber er ließ sich nicht abhalten, das kühle Nass zu erproben. Die Jungen zogen ihre Oberbekleidung aus und hüpften in Unterhosen in den Teich.
Ausgelassen tobten sie herum und versuchten natürlich auch uns Mädchen nass zu spritzen. Allzu lange hielten sie es aber nicht im Wasser aus, denn es war noch ziemlich kalt.

Wieder an Land, fehlten natürlich die Handtücher. Die Jungen trockneten sich ein wenig mit Hemd und Hose ab, dann hieß es, Mädchen umdrehen, denn die klitschnassen Unterhosen waren im Moment ja nicht zu gebrauchen und mussten ausgezogen werden. Und nackte Jungen durften wir Mädchen natürlich nicht sehen.

Das nächst Problem war, wie bekommt man so ein Teil bis zum Nachhauseweg wieder trocken? Mutter durfte ja nichts merken. Die Jungen hängten die gut ausgewrungenen Unterhosen auf einen

Stock und schwenkten sie auf dem Nachhauseweg über ihren Köpfen im Wind.

Es sah lustig aus. Nur schade, dass es kein Foto davon gibt.

Bei Gelegenheit werde ich meinen Bruder fragen wo er die Unterhose vor meiner Mutter versteckt hat, denn trocken war sie mit Sicherheit nicht.

©Rosemarie Brathe