fahrrad altOstern stand vor der Tür. Herrlich! Wir hatten schon Ferien bekommen, das Wetter war schön, was wollten wir mehr. Aber dann ging das mit dem schrecklichen Hausputz los. Im Hühnerstall fing es an, denn auch dessen Bewohner wurden nicht verschont. Einmal im Jahr wurde der Stall frisch gekalkt. Man sagt nicht umsonst:" Sie liefen herum, wie aufgescheuchte Hühner." Uns Kindern ging es genau so, wenn Mutter und Tanten die Putzwut packte.

Im Haus wurden die Ofenrohre abmontiert und zum reinigen auf den Hof gebracht. Wir Kinder mussten alle Stühle nach draußen tragen, auf denen dann die Federbetten zum Lüften abgelegt wurden.

Die Küche wurde frisch gestrichen. Sehr schön fand ich es immer, wenn dann mit einer Holzrolle, auf der ausgeprägte Motive wie zum Beispiel Blumen oder Weintrauben waren, die Wand verschönert wurde.

Nach dem Streichen wurde geputzt und gewienert und alles auf Hochglanz gebracht. Es war eine ungemütliche Zeit und alle waren froh, wenn die Arbeit endlich fertig war und alles wieder seinen Platz hatte.

Meine Mutter hatte nun Zeit nach Haltern zu fahren, um letzte Besorgungen für das Osterfest zu erledigen. Ich wäre gerne mitgefahren, aber wir hatten nur ein Fahrrad. Mutter fuhr los und wir Kinder freuten uns, dass wir in Ruhe etwas für Mutter basteln konnten. Wir bemalten ausgeblasene Eier und machten Körbchen aus buntem Papier, in die wir die in der Fastenzeit gesammelten Süßigkeiten legten.

Mutter blieb sehr lange weg. Als es schon Abend wurde und von ihr immer noch nichts zu sehen war, wurden wir unruhig. Dann endlich sahen wir sie aus dem Wald kommen. Wir liefen ihr entgegen und fragten erstaunt:" Wo ist denn dein Fahrrad?" Sie schüttelte nur den Kopf. Mein Bruder nahm ihr die Tasche ab, die sie den ganzen langen Weg von Haltern aus hatte tragen müssen. Sie war sehr erschöpft und traurig, denn man hatte ihr das Fahrrad gestohlen. Die ganze Osterfreude war dahin, denn für ein neues Rad musste Mutter lange sparen.

©Rosemarie Brathe