bus 151098 640 halternDie Verhandlungen zur Installierung eines Bürgerbusses in Haltern am See, insbesondere für den Ortsteil Hullern, gestalten sich zunehmend schwierig. An dem Verhandlungstisch sitzen Vertreter der Stadt Haltern am See und als Träger des Öffentlichen Personen Nahverkehrs die Vestische Straßenbahnen GmbH.

Die Grundsatzdiskussionen drehen sich immer wieder um die Einsetzbarkeit des Bürgerbusses – entweder im Linienverkehr oder im bedarfsorientierten Einsatz. Die Stadt Haltern signalisiert, dass es ihr egal ist, wie der Bürgerbus fährt, da es ihr in erster Linie darauf ankommt, Lücken des ÖPNV zu schließen und natürlich auch Kosten zu sparen.

Die Vestische, als ortszuständige Trägerin des ÖPNV, sieht in dem Einsatz des Bürgerbusses eine Konkurrenz und ist der Überzeugung, dass sie durch dessen Einsatz wirtschaftliche Einbußen haben wird. Das heißt: Kein Bürgerbus dort, wo sie mit ihren Linien fahren, also auch kein Linienverkehr. Genau das soll auch der Bürgerbus Hullern erfüllen. Er wird, sollte er endlich fahren, nicht in Linie dem Bürger zur Verfügung stehen, sondern nach Bedarf den Bürger von Hullern nach Haltern, oder auch Sythen, und oder von Haltern nach Hullern befördern.

Momentan reiben sich die Argumente an den Fahrrouten, da ja der einzusetzende Bürgerbus nun mal eine Straße benutzen wird, auf der auch ein Linienbus der Vestischen fährt. Dieses Problem wird solange nicht lösbar sein, solange die Vestische in dem Bürgerbus eine Konkurrenz sieht.

Fallbeispiel:

Frau Meier, wohnhaft in Haltern am See im Ortsteil Hullern ist gehbehindert, da sie eine neue Hüfte und ein künstliches Knie hat. Sie wohnt am Rande des Ortsteils, ca. 500 Meter von der nächsten Haltestelle des Busses der Linie 272 entfernt. Ihre Kinder und ihre Enkel wohnen nicht mehr in Hullern und ihr Mann ist vor einem Jahr verstorben. Sie hat kein Auto und ist daher nicht mehr so mobil, dass sie sich spontan entscheiden kann, mal in die Halterner City zu fahren. Ihr Leben spielt sich in ihrer Wohnung vor dem Fernseher ab. Sie hat den Wunsch, einmal mit ihrem Rollator nach Haltern zu kommen, um dort einen Stadtbummel zu machen, oder auch im Supermarkt einen Einkauf zu tätigen, denn in Hullern gibt es kein Lebensmittelgeschäft.

Lösung:

Sie ruft die Bürgerbuszentrale an, teilt ihr das Ziel mit und bekommt die Zusage, dass der Bus sie um xx Uhrzeit zu Hause abholt, um sie zu ihrem Ziel, einer Haltestelle in der City oder am Supermarkt zu befördern.

Fazit:

Hier könnte der Bürgerbus helfen, was kein ÖPNV leisten kann. Übrigens, da gibt es Stimmen, die sagen, dass die Frau doch ein Taxi nehmen könnte. Aber: Eine Taxifahrt von Hullern nach Haltern würde über 15 Euro kosten. Bleibt die Frage, ob dies zumutbar ist für eine Rentnerin, die gerade das Nötigste zum Leben hat. Der Bürgerbus kostet 1,50 Euro.

Um genau diese Menschen geht es, ihnen die Mobilität wieder zurück zu geben, wieder dazu zugehören.

Fallbeispiel.

Der Schüler Jan Müller, Schüler der Realschule in Haltern am See, hat eine Unterrichtspause von 2 Stunden. Er möchte, anstatt diese 2 Stunden in der Stadt zu vertrödeln, lieber zu Hause sein.

Lösung:

Da diese 2 Stunden Pause vorhersehbar waren, hatte er schon einen Tag vorher einen Termin mit dem Bürgerbus ausgemacht, um an der Schule abgeholt zu werden und um nach Hullern zu kommen. Den Rückweg zur Schule wird er mit dem Linienbus unternehmen, da dies mit der Zeit gut hinkommt.

Fazit:

Jan konnte gemütlich zu Hause etwas essen und seine freie Zeit sinnvoll verbringen.

Der große Vorteil gerade des bedarfsorientierten Bürgerbusses ist es, in den zersiedelten ländlichen Ortsteilen insbesondere die älteren Bürger wohnungsnah abholen und in Stadtmitte relativ zielgenau absetzen zu können.
In den Ortsteilen müssen die älteren Bürger häufig erst von Angehörigen mit dem PKW zur Bushaltestelle gebracht werden. Das endet dann so, dass der Bus nicht genutzt und gleich mit dem PKW bis zur Stadt gefahren wird. Wo Angehörige da oder auch verfügbar sind, ist das durchaus ein gangbarer Weg, aber in vielen Fällen haben ältere Menschen eben nicht diese Möglichkeit.

Die Infrastruktur in der Stadt Haltern ist nur in der Stadtmitte und mit kleinen Abstrichen in Sythen in einem für Wohngebiete üblichen Umfang vorhanden. In den übrigen Ortsteilen ist so gut wie keine Infrastruktur vorhanden. Hier ist die Fahrt zur Stadtmitte oder auch nach Sythen unumgänglich.
Ein wesentlicher Grund für die Ungleichverteilung der Infrastruktur ist die Größe der Ortsteile bezogen auf die Einwohnerzahl. Weiterführende Schulen, Geschäfte, Arztpraxen, Geschäfte usw. sind natürlich erst ab bestimmten Einwohnerzahlen sinnvoll oder lukrativ.
Hier ist so schnell auch keine Verbesserung zu erwarten. Die Stadt Haltern wird neue Wohngebiete einem Beschluss des Stadtrates zufolge auf die Stadtmitte und Sythen konzentrieren. D.h., die anderen Ortsteile werden bei den Infrastruktureinrichtungen mit ihren Defiziten leben müssen.
Für die Bevölkerung gerade in diesen Ortsteilen ist die Mobilität ein besonderes Bedürfnis. Insbesondere für Menschen, die nicht mehr oder noch nicht mit dem Auto fahren dürfen oder können, etwa bei älteren Bürgerinnen und Bürgern oder Kindern.
Der bedarfsorientierte Bürgerbus ist in diesem Fall das optimale Verkehrsmittel schlechthin.

In Hullern stehen die Signale weiterhin auf Grün. Es sind genügend Fahrer vorhanden, Eine Unterstellmöglichkeit für den Bus ist auch gegeben. Ein Haltestellenkonzept ist ausgearbeitet. Es braucht nur noch der Bürgerbusverein gegründet werden und los gehts.

Weitere Informationen sind hier auf der Webseite unter Bürgerbus einzusehen.
Redaktionelle Mitarbeit: Rainer Nottenkämper, Beate Mertmann

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